Begegnungsfest - bitte gerne nochmal!  


Die Resonanz war mehr als gut: Mehrere hundert Besucherinnen und Besucher kamen im Lauf des Sonntags auf den für das Fest abgesperrten Marktplatz, über dem freundliche Wimpelketten aus Stoff flatterten. Es gab viel zu sehen, zu hören, zu erleben und zu schmecken: Im Kinderzelt wurde gemalt. In der „Kunststraße“ neben dem Notariat konnten etwa Kinder und Jugendliche auf einer eigens aufgestellten Wand ein gemeinsames Graffiti sprayen. 

Im Sitzungssaal des Rathauses fanden Trommel-Workshops statt. Auf dem Marktplatz gab es die Möglichkeit, sich an verschiedenen Kreistänzen zu beteiligen. Eindrucksvoll war das Poesie-Programm auf der kleinen Bühne: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer trugen Gedichte in ihren Muttersprachen vor, die dann übersetzt wurden. Breakdance war zu sehen, es gab Jonglage, das  Holzbläserensemble „6 + 1“ trat auf und fand großen Anklang. Es gab ein Teezelt, und in insgesamt fünf Verkaufsbuden wurden Speisen zubereitet – unter anderem gab es türkische, afghanische und österreichische Gerichte zu kosten. 

Viele Helferinnen und Helfer hatten sich am Auf- und Abbau, am Festtag und  in der Vorbereitungszeit beteiligt. Bürgermeister Lars Leveringhaus sowie die Gemeinde hatten das Fest von Anfang an unterstützt, der Bauhof war im Einsatz, die Weihnachtsmarkt-Buden wurden zur Verfügung gestellt. Auch aus der Bevölkerung war die Unterstützung groß: So war etwa die Zahl der gespendeten Kuchen, rund 60, überwältigend.  

Das gesamte Fest fand auf Spendenbasis statt – ein wichtiger Punkt für die „Initiative Begegnungsfest“: Jedem sollte die Teilnahme am Fest ermöglicht werden, keiner sollte ausgeschlossen werden. Das Organisationsteam freut sich über die große Spendenbereitschaft; auch im Vorfeld hatten Unternehmen, Geschäfte und Privatleute aus Obergünzburg und Umgebung Geld zur Anschubfinanzierung der Veranstaltung gespendet. Der Überschuss soll nun zum einen für eine weitere Auflage des Festes zurückgelegt werden. Zum anderen wird ein Teil der Spenden für soziale Projekte in der Marktgemeinde bleiben sowie für medizinische Hilfe in Kriegsgebieten verwendet werden. 

Das Begegnungsfest solle künftig alle zwei Jahre stattfinden, ist das Ziel der Initiative. Sowohl die große Zahl an Besucherinnen und Besuchern als auch die durchwegs positiven Rückmeldungen sprächen dafür. Das Fest biete die Möglichkeit, gegen die immer größer werdende Kluft  in der Gesellschaft anzugehen. 

 

Die Rückkehr der Namen

Seit dem 11. April 2024 liegen gestaltete Flusskiesel mit den Namen der Opfer aus Obergünzburg und der näheren Umgenbung  an der DenkStätte  am Bichtholzer Bach.

Gründungsevent 11.04.2024

Die Rückkehr der Namen 2024 zum Nachlesen 

Hier finden Sie Kurzfassungen der Redebeiträge vom 11. April 2024

 "Diesen Menschen ist so viel Unmenschlichkeit, so viel Brutalität und Gewalt widerfahren, dass man es nicht für möglich halten mag. Und ja, der Impuls, wegzusehen, das nicht hören zu wollen, der ist auch bei mir vorhanden. Kommentare wie „lasst doch endlich Gras drüber wachsen und reißt doch die alten Wunden nicht wieder auf“ klingen mir im Ohr. Die Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus hat in unserer Gesellschaft tiefe Wunden hinterlassen, die immer noch nicht gut geheilt sind. Aufgerissen werden sie aber nicht von denen, die die Wahrheit suchen und die Aufarbeitung wollen, sondern von denen, die wieder damit beginnen, Minderheiten zu verfolgen und Menschengruppen zu entrechten." 

Auszug aus dem Redebeitrag von Hanni Graf, Kreisrätin 

 "Pflege von lokaler Erinnerungskultur ist ein wichtiger Bestandteil unserer Gemeinschaft. Es ist wichtig und richtig, dass wir Vereinsjubiläen regelmäßig auch mit Festakten begehen. Viele unserer Vereine sind ja auch inzwischen über 100 Jahre alt. Erinnerungskultur kann aber nicht die Zeit des Nationalsozialismus ausblenden. Es ist auch unsere Aufgabe, uns an die Geschehnisse unter der Nazi-Herrschaft hier im Ort zu erinnern. Wir werden heute neben Alois Roth weitere Opfer des nationalsozialistischen Regimes namentlich benennen. Diese Menschen hat man entrechtet und ihnen ihre Würde genommen. Unser heutiges gesellschaftspolitisches Leitbild, welches auch in der Verfassung verankert ist, hält fest, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Sie zu achten und zu schützen ist Aufgabe jeglicher staatlichen Gewalt. Indem wir die uns bekannten Opfer namentlich benennen, geben wir ihnen ihrer Würde zurück. Wir geben uns die Möglichkeit sich ihrer zu erinnern. Deswegen auch unsere Beteiligung an dem Projekt „Rückkehr der Namen“.
Auszug aus dem Redebeitrag von Lars Leveringhaus, Erster Bürgermeister 

„Eben dies dürfen wir nicht vergessen: Der aktive Nationalsozialismus ereignet sich nicht allein in den Städten und im Reich, sondern genauso in kleinen Landgemeinden wie Obergünzburg mit seinen damals ca. 17oo Einwohnern.
 Ja; das ist Vergangenheit: Aber Vergangenheit vergeht nie oder wiederholt sich sogar, wenn wir sie vergessen. Deshalb müssen wir in der Jetztzeit Augen und Ohren offenhalten und den aktuellen Trend hin zu völkischem Nationalismus kritisch beobachten. Auch bei uns in Obergünzburg wird von konkreten besorgniserregenden Beispielen berichtet. […] Lassen wir nun die Namen der entrechteten und getöteten Obergünzburger Bürgerinnen und Bürger zurückehren.“
 Auszug aus dem Redebeitrag von Wilhelm Weinbrenner, Arbeitskreis Lokalgeschichte und Initiator des Erinnerungsorts DenkStätte 

„Das unvorstellbare Leid im Terrorsystem der Nazis begann bereits 1933. Die ersten Konzentrationslager zur Internierung von politischen Gegnern entstanden In Dachau oder im Börgermoor im Emsland. Tausende Widerstandskämpfer mussten hier in einem riesigen Moorgebiet Entwässerungsgräben ziehen. Sie hatten nur ein einziges Werkzeug – einen Spaten. Zwei dieser Häftlinge haben über diese Leidenszeit ein Lied geschrieben, das in allen Konzentrationslagern als Hymne des Widerstands gesungen wurde."
 Auszug aus dem Redebeitrag von Hans Fodermeyer (Einführung zum Lied "Die Moorsoldaten")

"Wenn wir alle, die wir hier stehen, uns etwas mehr zutrauen, dann müssen wir uns gegenüber den rückwärtsgewandten Kräften nicht mehr ohnmächtig fühlen. Denn wir können verhindern, dass die, die schwächere Minderheiten bedrohen, sich nicht länger stark fühlen. Es braucht unser starkes zivilgesellschaftliches Engagement, das Tag für Tag rechtes und menschenverachtendes Gedankengut entlarvt, es deutlich als solches benennt und sich ihm entgegenstellt. Am Esstisch, auf der Straße, auf der Party.“
 Auszug aus dem Redebeitrag von Sabine Schulz, Gemeinderätin

Bericht in der Allgäuer Zeitung

Artikel von Stefanie Gronostay in der AZ vom 13.04.2024

Bericht im Kreisboten

Artikel von Michael Dürr im Kreisboten vom 18.04.2024

Bericht im Marktblatt

Wie geht es weiter?

Wir wollen die Erinnerungskultur in Obergünzburg fortsetzen - z.B. mit Themen wie
"Widerstand in Obergünzburg" oder "Ostarbeiter" in Obergünzburg.
Der 11. April, Gedenktag der Befreiung des KZ Buchenwald, wird uns weiter begleiten. 
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